Musik

Knappe 20 Jahre ist es nun her, dass André Stade mit dem Titel „Feuer, Wind und Eis“ in der Schlagerszene Fuß fasste und aufhorchen ließ. Seitdem ist er fest in der Schlagerwelt verankert und konnte bereits viele Preise abräumen – so schaffte er es mit „Jeanny wach auf“ auf den zweiten Platz des Eurovision Song Contest 1996 und gewann bei den Deutschen Schlager-Festspielen 1997 mit „Weil du so bist wie du bist“ den dritten Platz, die „Bronzene Muse“. Auch im Folgejahr konnte er diesen Erfolg mit „Weil ich wahnsinnig bin“ halten.

Nun erscheint sein brandneues Album „Im Leben“ und sorgt in der Schlager-Szene deutlich für Aufruhr. Und das auf jeden Fall im positiven Sinne: Wer meint, schon alles im deutschen Schlager gehört zu haben und alles zu kennen, der wird hier umdenken müssen – wird man doch schon zu Beginn des Albums mit einem Dudelsack-Intro überrascht, bevor der Song zur besonders sanften und gefühlvollen Stimme Andrés in ein Midtempo-Gitarrenspiel mit einem leichten treibenden Grund-Beat umschlägt. „Teil von etwas Großem“, so der Titel des Songs, ist der perfekte Opener des Albums und macht eines ganz eindeutig klar: Auch Schlager-Musik braucht sich nicht vor internationalen Radio-Größen zu verstecken. So könnte dieses Stück völlig problemlos neben Rock-Bands wie Coldplay oder lokalen Top-Acts wie Adel Tawil oder Ich & Ich gespielt werden.

Ebenso niveauvoll geht es weiter mit „Einmal Leben“, welches von lockerem Pfeifen eingeleitet und von wunderscAndré Stade - Im Lebenhön balladesk eingespielten gezupften Gitarren weitergeführt wird. Wie schon im ersten Song hat man hier ebenfalls einen Refrain, der sofort zum Mitsingen animiert. Die Mischung aus ruhigen, aber dennoch treibenden Beats, besonders emotionalen Vocals und toller Percussion-Arbeit weiß absolut zu überzeugen.

Mit „Nichts bleibt so wie es ist“ folgt anschließend die Hit-Single, die bereits vorab ausgekoppelt wurde. Eine Mischung aus düsteren Klavier-Anschlägen und Drums bildet den treibenden, motivierenden Teppich für Andrés besonders leidenschaftlichen Gesang. Die sehr überraschende Bridge, die mehrstimmig verziert wird, bildet hier den perfekten Übergang zum mitreissenden Refrain, der bereits nach dem ersten Hören in den Gehörgängen hängenbleibt. Atmosphärisch ein absolutes Ausnahmestück! Doch nicht nur musikalisch, sondern besonders auch textlich bringt der Song eine starke Energie – so motiviert André Stade dazu, das eigene Leben selbst in die Hände zu nehmen, nichts, aber auch GAR nichts dem Zufall zu überlassen und restlos alles, das man hat, in die gegebenen Möglichkeiten zu investieren.

„30 Grad im Schatten“ klingt vom Titel her zunächst wie ein typischer Sonnenschein-Song, doch bereits bei den ersten Tönen wird man in ein unglaublich dichte und emotionale Atmosphäre gezogen. Das Zusammenspiel von Atmosphäre, der besonderen Melodyline und dem sehr filigranen Gesang geht stark unter die Haut. Erst wenn der freudige Refrain einsetzt, wird man aus der Melancholie gerissen – ein toller Kontrast, der auch textlich perfekt wiedergespiegelt wird: Die Strophen bilden die Erinnerung an vergangene Zeiten der Anfänge der Zweisamkeit, die Bridge steigert sich mehr und mehr und ist fast schon triumphal zu nennen, während mit dem Refrain das geballte Glücklichsein und die pure Euphorie entfacht werden. Ein absoluter Ausnahmesong, bei dem der Eine oder Andere unter Garantie den „Repeat“-Knopf am CD-Player einschalten wird!

In eben diesen Bahnen geht es weiter mit „Wenn du hier bleibst“. Das Songstruktur-Rezept geht auch hier perfekt auf: höchst emotionale Strophen und hymnenartiger Refrain – das Ganze verpackt in ein sehr modernes Soundgewand. Auch „Tage wie diese“ setzt dieses Schema perfekt um, basiert aber auf einem Teppich aus hochgestimmter Westerngitarre, Midtempo-Percussion und hier und da einsetzendem Klatschen. Der energiereiche Refrain lebt von lockeren Adlibs und „whoo-oooh-oooh“-Rufen – man kommt nicht umhin, sich gemütliche Tage im Freien mit den Freunden vorzustellen. Auch das grandiose „Denn du bist mein Zuhause“ bringt diese Atmosphäre ganz deutlich zum Vorschein.

Besonders hitverdächtig geht es mit „30 Sekunden“ zu: pompös instrumentiert und gleichzeitig Gute-Laune-Garant mit einem Refrain, bei dem man direkt aufhorcht und der auch lange nach dem Verklingen des letzten Tons des Albums noch im Ohr bleibt.

Und eben das ist auchandre4 auf dem Rest des Albums das absolute Markenzeichen André Stades. Nicht nur textlich, sondern auch musikalisch gibt es jederzeit für Jeden etwas. Dass die Songs zwar für die ruhigen Pop-Rock-Momente perfekt sind, aber auch die Partylöwen unter uns zufriedenstellen, ist eine große Stärke des Albums. Auch Menschen, die sich in Gedanken oft mit dem eigenen Leben beschäftigen, bekommen hier noch viel mehr: den sprichwörtlichen Soundtrack für all die unterschiedlichen Momente des Lebens, hin und wieder einen herzhaften Schubs in die richtige Richtung und immer wieder motivierende Hymnen.

Jeder Song des Albums hat aufregenderweise immer etwas vollkommen Eigenes – etwas Besonderes, das sich von allen anderen Songs unterscheidet. In „Eine von Millionen“, einem tollen Liebesgeständnis an die berühmte „Eine“, sind gekonnt Piano-Anschläge, kurze E-Gitarren-Verzierungen und 80er-Klänge eingebaut. „Das Buch“ und „Steh wieder auf“ sind sehr emotionale Balladen, die einen Gang zurückschalten, zeichnen sich aber ebenfalls durch hohen Abwechslungsreichtum aus und wechseln zwischen ruhigen und energiereichen Passagen hin und her. Und sogar hier gibt es Passagen, die einfach für das Mitsingen prädestiniert sind. Schlichtweg perfekt umgesetzt ist die Piano-Version von „Steh wieder auf“, die das Schlusslicht des Albums darstellt.

Eine Zusammenstellung außergewöhnlicher Hits, die gleichzeitig höchst substanzvoll und emotional wie auch partytauglich daherkommen. André Stade bringt mit diesem Album etwas, das im Schlager-Bereich unbedingt in Mode kommen sollte: nämlich moderne Musik, die alle Generationen von Schlagerfans – aber auch Musikbegeisterte an sich! – mitreissen kann und verbindet. Frischer Wind im Genre, der hoffentlich noch sehr lange wehen wird. Danke, André, für dieses grandioses Album!

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